Franchise-Rockstars:
André Uffmann, MUNDFEIN

André Uffmann von dem Franchisesystem MUNDFEIN Pizzawerkstatt ist der heutige Gast bei der Franchise Rockstars Show. André war einer der ersten Franchisenehmer von MUNDFEIN und ist mittlerweile auch Gesellschafter. Im Interview erzählt André uns, wie sich MUNDFEIN von anderen Pizzalieferanten unterscheidet und worauf sie bei neuen Franchisepartner Wert legen. Besonders interessant ist auch die Organisation der Geschäftsführung.

André Uffmann, MUNDFEIN

Hallo und herzlich willkommen zu dem Franchise Rockstars Podcast. Mein Name ist Lars Bobach, ich bin Gastgeber und Moderator der Show. Heute habe ich das Franchisesystem MUNDFEIN zu Gast und zwar den André Uffmann, einen der vier Gesellschafter. Im Interview erklärt er uns, was MUNDFEIN von anderen Pizza-Lieferdiensten und -services unterscheidet, worauf sie also besonders Wert legen und wie er als späterer Gesellschafter dazugekommen ist.

André war nämlich zunächst einer der ersten Franchisenehmer und er erzählt uns, wie er dann dazugekommen ist, als Gesellschafter in das Franchisesystem einzusteigen. Ganz interessant ist es, wie MUNDFEIN seine Geschäftsführung organisiert hat, da gehen sie einen ganz interessanten und tollen Weg.

Links

Webseiten:
Webseite MUNDFEIN Pizzawerkstatt
MUNDFEIN Franchise

Filmempfehlung:
The Founder

Das Interview zum Nachlesen

LB = Lars Bobach
AU = André Uffmann

LB:
André, schön, dass du da bist hier bei den Franchise Rockstars. Lass uns als allererstes mal an den Zahlen von MUNDFEIN teilhaben. Also was habt ihr für Franchisenehmer, wie viel Umsatz macht ihr, wie viele Mitarbeiter, wie ist euer Verbreitungsgebiet?

AU:
Ja, guten Tag. Schön, dass ich heute bei euch sein darf. Ist auch für uns eine tolle Plattform, um unser Konzept mal vorstellen zu können. Wir haben uns 2008 gegründet und haben aktuell 37 Standorte mit 30 Partnern. Des weiteren sind in den nächsten ein bis zwei Monaten vier weitere Standorte kurz vor der Öffnung. Wir hatten in 2018 einen Nettoumsatz von 19,8 Millionen Euro und erwarten für 2019 über 21 Millionen Euro.

LB:
Jetzt erzähl mal ganz kurz was über MUNDFEIN an sich. Also was sollten potenzielle Franchisenehmer über MUNDFEIN wissen? Was macht ihr denn überhaupt?

AU:
MUNDFEIN ist ein Konzept, was für Frische steht. Qualität ist für uns die erste Devise. Wir stehen dafür, dass wir frische Pastas, Pizzen und Salate kreieren und wir versuchen das möglichst beste Produkt zum Kunden zu bringen.

LB:
Ich meine an Pizzaläden, Pizzageschäften oder gerade auch solche Franchisesysteme in dem Bereich, gerade die aus Amerika natürlich, die hier nach Europa kommen, gibt es wirklich jede Menge. Wie seid ihr gerade auf die Idee gekommen, in diesen doch, würde ich mal sagen, sehr umkämpften Markt hier noch einzusteigen?

AU:
Wir wollten es anders machen. Wir haben gesehen, wie viele andere Systeme arbeiten und wir wollten diesen Frische-Aspekt hineinbringen. D.h. bei uns in den Pizza-Werkstätten wird der Teig noch frisch zubereitet. Wir kneten jeden Morgen den Teig, rollen die Teiglinge aus und verarbeiten sie zu frischen Pizzen. Bei uns werden die Saucen und Dips frisch zubereitet mit frischen Kräutern.

Wir wollten dieses Handgemachte, das Handcrafted wieder in die Läden bringen und den Leuten auch die Möglichkeit geben zu Hause gutes Essen zu bestellen. Diesen Aspekt haben wir ganz gut aufgenommen und haben das gut umsetzen können.

LB:
Wenn ihr jetzt sagt in dem Bereich Frische hebt ihr euch ab, das Verbreitungsgebiet ist noch ein bisschen dünn, mit 30 seid ihr wahrscheinlich einer der Kleinsten im Foodservice oder im Food-Bereich, was Franchisesysteme angeht. Was sollen denn jetzt potenzielle Franchisenehmer unbedingt über euch wissen und macht euch attraktiv für potenzielle Franchisenehmer?

AU:
Naja, wir haben 30 Partner und 37 Standorte. Also einen Ticken größer sind wir, aber noch sind wir natürlich nicht der Big Player, wenn man so auf Dominos, beispielsweise, guckt. Was für uns und für potenzielle Franchiseunternehmer interessant ist, das sind die Werte unseres Unternehmens. Ich denke, bevor sich ein Franchisepartner für ein Konzept entscheidet, entscheidet er sich auch aktiv für die Werte, die dieses Konzept oder die dieses Unternehmen verkörpert.

Wir stehen für ein familiäres Konzept, wir bestehen aus vier Gründern, die auch heute noch aktiv als Gesellschafter mitarbeiten, Projekte anstoßen oder auf die Bahn bringen. Wir sind extrem hilfsbereit, haben diesen Qualitätsanspruch, den ich gerade schon beschrieben habe mit unseren frischen Produkten und fordern unsere Franchisepartner natürlich auf, diese Produkte so toll zuzubereiten für den Kunden letztendlich und fördern das aber auch.

Uns ist bewusst, dass unsere Produktpalette nicht unbedingt die einfachste ist, weil man auch viel Wissen dafür braucht. Aber wir bilden unsere Partner aktiv und dauerhaft auch aus, damit sie damit gut umgehen können und eine tolle Qualität liefern können. Wir unterstützen wo wir können, uns ist Transparenz bei unseren Franchisepartnern extrem wichtig. Wir wollen, dass unsere Partner gemeinsam mit uns auf die Reise gehen und das Unternehmen auch aktiv mitentwickeln. Wir freuen uns über jeden Input und versuchen den auch mit einzubinden.

Mittlerweile kann man natürlich auch sagen wir sind jetzt seit über 10 Jahren am Markt. Man kann schon sagen, dass wir es mittlerweile geschafft haben, uns erfolgreich und professionell aufzustellen. Wir haben Erfahrungen sammeln können und sind immer noch sehr praxisnah geblieben. Also wir wissen mittlerweile auch wovon wir reden. Wir sind ein motiviertes Team und geben diese Motivation natürlich auch an unsere Franchisepartner täglich weiter und freuen uns über den offenen und ehrlichen Austausch.

LB:
Jetzt hast du ja auch eine ganz interessante Historie in dem System, du warst ja gar nicht direkt bei der Gründung dabei. Erzähl doch mal, wie du als Gesellschafter zu MUNDFEIN gekommen bist.

AU:
Ja, das ist tatsächlich so. Ich bin erst seit mittlerweile vier Jahren als Gesellschafter dabei, bin ursprünglich gestartet als ganz klassischer Franchisepartner. Ich habe damals, als MUNDFEIN gegründet wurde, relativ schnell den zweiten MUNDFEIN Laden überhaupt aufgemacht. Der war damals im Norden von Deutschland, nördlich von Hamburg. Ich habe relativ schnell Laden zwei und drei aufgemacht und hab mich erstmal als Franchisepartner bewiesen und meine Läden hoch gebracht.

Und irgendwann habe ich die Chance gehabt als Gesellschafter einzusteigen, habe einen der Gesellschafter ausgelöst und seine Position eingenommen. Ich bin jetzt bei uns im Bereich der Gebietsanalysen und der Betreuung von Franchisepartnern vor Ort verantwortlich. Tipps, Tricks und Kniffe, die man in der Gastronomie so braucht, das ist so mein Steckenpferd.

LB:
Und wie teilst du deine Arbeit auf? Also du hast mehrere, du bist Multi-Unit Franchisenehmer, wenn ich das jetzt richtig verstanden hab. Wie viele Läden hast du genau?

AU:
Ich habe drei.

LB:
Okay wie teilst du das auf? Wie viel Arbeit hast du noch als Franchisenehmer und wie viel Arbeit investiert du in die Zentrale?

AU:
Das kann man gar nicht so genau sagen. Ich musste mich natürlich umstrukturieren. Also wenn ich mir unsere Franchisepartner jetzt im System angucke, wir haben ja auch mittlerweile einige Multi-Unit Besitzer, die müssen sich natürlich ähnlich aufstellen wie ich. Der Single-Unit Besitzer einer Filiale ist natürlich aktiv im Geschäft und arbeitet mit. Das kann ich nicht mehr gewährleisten.

Ich hab mir über die Jahre ein Team aufgebaut, das mir den Rücken stärkt. Qualitätsmanager und Controller die mir zuarbeiten und mich mit Informationen versorgen. So dass, falls Probleme bei mir auftreten oder Störfeuer sind, die natürlich in jedem Unternehmen auch auftreten, damit ich diese schnell zugetragen bekomme und wir entsprechend agieren können. Ich lebe also letztendlich von meinem Team.

LB:
Ist ganz interessant, weil ich das jetzt schon das zweite Mal habe, dass wirklich Franchisenehmer in die Zentrale, also erfolgreiche Franchisenehmer, so wie du auch einer bist, in die Zentrale eingestiegen sind. Bei MRS.SPORTY ist das auch so, tolles Konzept wie ich finde.

AU:
Schön.

LB:
Jetzt würde mich mal interessieren: Ihr seid auf Expansion aus, klar. Was müssen denn jetzt gute Franchisenehmer für euch mitbringen? Wo sucht ihr nach bei den Franchisepartnern?

AU:
Wenn ich Gespräche mit potenziellen Franchisepartnern führe, dann ist für mich natürlich wichtig, dass ich irgendwie das Feuer in deren Augen sehe. Mir ist wichtig, dass sie Unternehmergeist haben, dass sie Lust auf Erfolg haben. Teamfähigkeit ist ganz wichtig, habe ich ja gerade schon beschrieben. Man braucht einfach ein starkes Team und muss in der Lage sein, Menschen hinter sich zu bringen und dass man in dieselbe Richtung schwimmt. Uns ist natürlich auch wichtig, dass gewisse kaufmännische Grundkenntnisse vorhanden sind, weil heutzutage kann man einen Laden ohne gewisse Kennzahlen, die man im Blick hat, ich sag mal Stichwort Personalkosten oder Wareneinsatz nicht führen. Das sind alles Indikatoren die wichtig sind, um eine Filiale auch erfolgreich und rentabel zu führen und auch ans Maximum zu bringen.

Dann ist uns sehr wichtig, dass unsere Partner oder potenziellen Partner sich zu 100% auf das Konzept MUNDFEIN konzentrieren. Wir haben schon bereits Erfahrungen sammeln können mit Investoren oder auch mit Partnern, die noch einen Teilzeitjob oder Vollzeitjob nebenbei hatten, wenn man das so ausdrücken kann. Das ist in der Regel nicht so erfolgreich wie die Leidenschaft, wenn man sich zu 100% auf das Konzept konzentriert.

Zudem verlangen wir von unseren Partnern das Einverständnis für ein dreimonatiges Franchisepartner-Ausbildungsprogramm. Das sieht folgendermaßen aus: Bei uns ist es so, dass ein Part bei uns zentralseitig stattfindet. Da werden die Partner geschult in organisatorischen Abläufen, wie funktioniert unser Bestellsystem. Der größte Part ist dann tatsächlich in den Filialen, wo der Partner letztendlich von der Pike auf und von A bis Z lernt: Wie funktioniert das ganze Thema Pizza? Wie leben wir das Thema Pizza? Wie bereiten wir sie zu? Wie stellen wir den Ofen ein und wie schließen wir die Tür zu? Also er lernt sozusagen die Schliffe in dieser Phase, um einen Laden mit guten und ruhigen Gewissen aufzumachen.

Und mir ist immer wichtig oder uns ist wichtig, dass der Partner Freude an gutem Essen und qualitativ hochwertigen Essen hat. Denn diese Produktpalette wollen wir bieten und unsere Kunden damit erfreuen.

Dann gibt es natürlich auch noch ein paar harte Fakten die wichtig sind, damit man überhaupt einen MUNDFEIN-Laden eröffnen kann, denn eine Eröffnung kostet Geld. Bei uns liegt ein Invest so zwischen 160.000€ und 200.000€, das hängt immer so ein bisschen mit der Beschaffenheit der Fläche zusammen und mit dem Konzept, das wir darin umsetzen wollen. Die Größe des Ladens spielt dabei eine Rolle, sprich möchte der Franchisepartner sein Bistro-Restaurant-Anteil groß gestalten, um auch viele Abholer und auch Restaurantgäste oder Inhousegäste zu bewirtschaften? Wie ist die Beschaffenheit der Fläche an sich? Ist es ein Neubau, ist es ein Altbau? Das sind natürlich alles kostentreibende Faktoren und die müssen berücksichtigt werden und dafür brauchen wir von unseren Partnern aus Erfahrungswerten ein Eigenkapital von 40.000€. Das kann natürlich variieren, je nachdem wie ein Partner schon bei seiner Hausbank im Standing ist, aber im Regelfall haben wir die besten Erfahrungen gemacht mit 40.000€.

LB:
Seid ihr dann eher aus auf die Unternehmer, die hinterher vielleicht auch so wie du Multi-Unit, also mehrere Pizzerien führen, oder ist euch der lieber, der wirklich mit Herzblut da steht und jeden Morgen seinen Teig knetet? Was präferiert ihr da?

AU:
Multi-Unit Besitzer heißt ja nicht unbedingt, dass man nicht mehr in seinem Pizzawerk stehen muss. Das ist jetzt durch die Funktion, die ich belege einfach eine Sonderlösung. Ich würde mir manchmal wünschen, dass ich mehr Zeit hätte bei mir in den Läden zu stehen, weil das Nah-bei-den-Mitarbeitern-Sein, Nah-am-Kunden-Sein, das ist unersetzbar. Deswegen kann ich jetzt nicht sagen, dass ich mir den Multi-Unit Besitzer vor dem Einzelladenbesitzer wünsche, das ist nicht der Fall. Also ich freue mich über beides und das liegt ja auch daran, welche Wünsche und Träume der einzelne Franchisepartner hat. Es gibt Partner, die sind schlichtweg ganz zufrieden mit einem Laden und sagen das ist ihr Baby und darum mögen sie sich kümmern. Und es gibt Leute, die haben den Drive und sagen wir möchten gerne einen, zwei oder drei Läden haben.

LB:
Das macht ihr also dann wirklich von den Franchisenehmern, wie sie das dann auch wünschen, abhängig. Schön! Gibt es denn unterschiedliche Arten von Franchise Lizenzen die ihr anbietet? Wir hatten ja im Vorfeld gesagt, dass ihr gerade mit einem Partner in Lübeck da dran seid. Kauft man dann in der Region oder ist es immer pro Geschäft?

AU:
Nein, im Regelfall startet erstmal jeder bei uns in den Gesprächen und wir unterhalten uns über die erste MUNDFEIN Filiale. Häufig ist es so, dass in Gesprächen die Franchise Partner den Wunsch äußern, mehrere Läden zu machen, also ein Multi-Unit Konzept anstreben. Das unterstützen wir auch natürlich unter bestimmten Voraussetzungen.

Also erstmal analysieren wir das Gebiet für das sich der Franchisepartner interessiert. Wenn in diesem Gebiet mehrere Standorte möglich sind, teilen wir ihm das auch mit. Für uns ist immer wichtig, wenn jemand das Ziel hat in den Multi-Unit Bereich zu gehen, dann ist es für uns wichtig, dass die Läden nah beieinander sind. Die Erfahrung haben wir einfach gemacht, wenn Units zu weit auseinander liegen, dann vernachlässigt man den einen Standort wahrscheinlich mehr als den anderen, weil man vielleicht nicht so oft hinfährt. Deswegen achten wir schon darauf, dass die Läden alle zusammen sind. Meine drei Läden sind zum Beispiel alle innerhalb von 10 Kilometern.

LB:
Kann ich mir vorstellen, das ist garantiert sehr wichtig. Gerade bei dem Qualitätsanspruch und dem Frischeanspruch, den ihr da auch habt. Qualität, gutes Stichwort. Was macht ihr denn zur Qualitätssicherung? Wenn ihr sagt Frische ist bei uns Qualität, auch die der Zutaten ist uns wichtig. Was macht ihr für die Qualitätssicherung?

AU:
Zum ersten ist es so, dass unsere Franchisepartner wirklich gut ausgebildet sind. Ich habe ja diese dreimonatige Einarbeitungszeit angesprochen. Die ist essentiell wichtig, damit man überhaupt erstmal von Tag Null aus mit einem guten Know-How startet und weiß, wie funktioniert MUNDFEIN und wie produzieren wir vor allem unsere guten Sachen.

Des Weiteren haben wir natürlich über die Jahre ein Franchise Handbuch erarbeitet, was unsere Partner in die Hand bekommen. Das immer wieder aktualisiert wird und wo letztendlich von A bis Z alles drin steht. Da sind Hinweise, wie wir mit den Lebensmitteln umgehen, wie die Pizzen richtig belegt werden. Also Dinge natürlich auch, die in dieser Einarbeitungsphase thematisiert werden, aber da nochmal zum Nachlesen für den Franchisepartner, um sich nochmal in der Materie firm zu machen.

Wir bieten außerdem natürlich regelmäßig Workshops an in allen möglichen Themen. Also Küchenthemen oder auch Teigthemen, Schulungen mit unserem Teig. Ich hab ja im Vorfeld erzählt, dass unser Teig ein bisschen komplizierter ist als andere. Die werden bei uns frisch in den Stores zubereitet und da ist natürlich ein Know-How vorhanden. Das frischen wir regelmäßig durch so genannte Teig-Workshops zum Beispiel auf.

Dann bieten wir als Möglichkeit den Austausch zwischen Franchisepartner und Lieferant. Das passiert entweder auf Tagungen, die wir veranstalten oder der Lieferant und der Franchisepartner treffen sich auch direkt, um einfach auch mal die Ist-Situation miteinander besprechen zu können. Vielleicht auch mal Probleme oder Stolpersteine zu thematisieren und aus dem Weg zu räumen.

Was wir auch zentralseitig noch machen sind die sogenannten Store Checks. Wir haben Mitarbeiter, die von unserer Zentralseite in regelmäßigen und unregelmäßigen Abständen in die Filialen fahren und anhand einer Ausgabe der Checkliste die Stores bewerten. Und zwar in Sachen Hygiene, Produktpräsentation, Mitarbeiterfreundlichkeit, etc. Eigentlich wird der Betrieb von A bis Z einmal durchleuchtet.

Der Franchisepartner bekommt danach eine ausführliche Auswertung, sieht in welchen Bereichen er sehr stark ist und sieht auch die Bereiche, wo vielleicht auch noch Nachholbedarf ist. Dann bekommt er die Möglichkeit, sich in diesen Bereichen mit den Thematiken auseinanderzusetzen, diese abzustellen. Wir machen dann ein Follow-Up, checken, ob die Dinge jetzt besser sind und so bekommt er auch ein gutes Feedback auch mal von außen.

Um das Thema Produktqualität auch im speziellen Fall zu beleuchten, machen wir in regelmäßigen Abständen sogenannte ‘Mystery Shoppings’. Da bewerten reelle Kunden unsere Produkte nach Optik, Geschmack, wie war der Lieferant, wie wurde die Bestellung aufgenommen. Diese Qualitätsmerkmale spiegeln wir dann auch an unsere Franchisepartner weiter, so dass er einen guten Allround-Blick bekommt, wie es bei ihm in der Pizzawerkstatt läuft.

LB:
Okay super, hört sich nach einem schlüssigen Konzept an. Eine Sache ist mir gerade noch eingefallen: Lieferdienst. Ihr verkauft auch viel über Lieferservices, wie ist denn der Anteil? Wie viel wird ausgeliefert? Wie viel wird abgeholt oder im Restaurant gegessen, prozentual?

AU:
Bei uns ist das mittlerweile ich sag mal so 70/30. 70% Lieferung, vielleicht 75% Lieferung, wobei der Restaurant-Anteil und der Abholer-Anteil immer schöner oder immer mehr wird. Das liegt daran, dass wir das auch forcieren, dass Leute bei uns vorbeikommen und uns auf die Finger gucken können. Wir haben schon immer ein Open Kitchen Konzept gehabt, wo die Leute die Möglichkeit hatten, während sie gewartet haben und abgeholt
haben, uns auf die Finger zu gucken, wie wir produzieren und was wir produzieren. Die Lieferung ist, na klar, unser Kerngeschäft und das soll es auch bleiben. Aber wir freuen uns auch genauso, wenn sich Kunden bei uns in der Filiale vorbeitrauen und bei uns ihre Mittagspause verbringen. Oder auch einfach abholen.

LB:
Elf Jahre Franchisesystem. Viele Höhen, viele Erfolge garantiert gefeiert, aber garantiert auch die eine oder andere Herausforderung. Was war denn die größte Herausforderung, der ihr euch stellen musstet und was habt ihr daraus gelernt?

AU:
Als Unternehmer hat man immer Herausforderungen und die begleiten einen ständig. Das sind immer neue Herausforderungen. Es gab natürlich Herausforderungen, die das Konzept MUNDFEIN hatte, gerade auch in der Anfangszeit. Wir haben vorhin darüber gesprochen, dass der Ursprung der Gründung von uns vier Gesellschaftern ausging und am Anfang hat man versucht, und hat das natürlich auch erfolgreich hinbekommen, das Filialwachstum aus eigener Kraft umzusetzen. Ab einem bestimmten Punkt und ab einer bestimmten Unternehmensgröße und Franchisepartneranzahl wird das natürlich auch schwieriger.

Also wir haben tatsächlich als Gesellschafter abends um 22 Uhr das Telefonat von einem Franchisepartner entgegen genommen, wenn das Kassensystem abgestürzt ist. Wie gesagt, ab einer bestimmten Filialgröße kommt man da an seine Kapazitätsgrenzen. Somit haben wir uns irgendwann entschieden eine Zentrale aufzubauen mit kompetenten
Mitarbeitern. Wir haben eine Fremdgeschäftsführung implementiert und dieser Schritt war sehr aufwendig. Aber sehr gut und wir haben mittlerweile ein tolles Team, das fantastische Arbeit leistet und von unseren Franchisepartnern sehr geschätzt werden und die einen guten Job machen.

LB:
Also ihr habt eine externe Geschäftsführung. Die Gesellschafter sitzen gar nicht in der Geschäftsführung?

AU:
Nein.

LB:
Wow, das ist, würde ich sagen, sehr außergewöhnlich aber auch garantiert sehr gut, kann ich mir vorstellen.

AU:
Für uns war das der richtige Schritt, weil wir als Gesellschafter die Möglichkeit hatten uns auch wirklich auf Projekte zu konzentrieren und die nach vorne zu schieben, ohne vom täglichen Tagesgeschäft abgelenkt zu werden. Das ist natürlich toll von außen immer den Blick auf das Unternehmen zu haben.

LB:
Nach dem Motto “Am und nicht im Unternehmen arbeiten.”

AU:
So sieht es aus.

LB:
André, bevor wir zu den Schlussfragen kommen: Lass uns mal ganz kurz an der Zukunft oder an eurer Zukunftsvision teilhaben. Welche Projekte sind von MUNDFEIN in der Zukunft zu erwarten?

AU:
Also klar, wir haben als Franchisekonzept den Wunsch, dass unser Konzept weiter wächst. Für uns ist dabei, wie du vorhin auch schon rausgehört hast, organisches Wachstum wichtig. Wir wollen gesund wachsen mit tollen Franchisepartnern, das ist uns in erster Linie wichtig. Wir haben natürlich Expansionsziele in bestimmten Regionen. Das Rhein-Ruhrgebiet ist bei uns im besonderen Fokus aber auch Berlin oder der Münchener Raum sind tolle Gebiete, wo wir uns Filialen von MUNDFEIN gut vorstellen können.

Wir haben natürlich auch das eine oder andere Projekt, wo ich jetzt hier nicht drüber reden kann. Da würde ich auch gerne, dass die Leute noch eine Überraschung haben, wenn wir damit launchen und das auf den Markt bringen.

Worüber ich reden kann, ist, dass wir kurz davor sind ein neues Bistrokonzept zu launchen. Das haben wir gerade schon kurz angeschnitten, dass wir immer mehr Kunden haben, die sich in die Filiale trauen und bei uns essen oder abholen. Wir wollten ein Schritt dahin gehen, dass unsere Bistrobereiche einladend sind, Wohlfühlcharakter haben, modern und frisch wirken und den Leuten Lust darauf geben, sich bei uns aufzuhalten und uns zuzuschauen.

LB:
Interessant, da bin ich mal sehr gespannt. Ich freue mich auch, wenn die ganze Sache mal hier ins Rheinland kommt, weil hier seid ihr ja noch nicht so stark vertreten. Das werde ich auf jeden Fall dann mal testen.
André, vielen Dank bis hierhin! Kommen wir zu den Schlussfragen, bist du bereit?

AU:
Ich bin bereit.

LB:
Wunderbar. Welches Buch hat dich als Mensch und Unternehmer am meisten geprägt?

AU:
Da muss ich dir sagen, ich bin nicht unbedingt eine Leseratte. Das liegt nicht daran, dass ich kein Interesse an Büchern habe oder Themen, die behandelt werden. Es gibt ganz tolle Bücher. Ich bin eher das Problem, wenn ich ein Buch anfange zu lesen, fange ich auch mit Begeisterung an zu lesen. Bekomme irgendwann Hummeln im Hintern, konzentriere mich auf andere Dinge, lege das Buch wieder zur Seite. Meist fällt mir dann der Einstieg recht schwer wieder das Buch in die Hand zu nehmen, ohne nochmal alles von vorne lesen zu müssen.

Ich kann dir aber sagen, dass ich letztens einen super Film geguckt habe, von dem es auch ein Buch gibt. Das ist ein Netflix-Film, heißt ‘The Founder’. Er behandelt die ganze Thematik rund um McDonald’s, wie McDonald’s entstanden ist, welche Herausforderungen da waren. Klasse Film, den kann ich empfehlen.

LB:
Das Buch ist auch klasse, vor allen Dingen, weil er es selber geschrieben hat. Wenn man beides gelesen und gesehen hat, sind da doch große Diskrepanzen. ‘The Founder’ ist, glaube ich, ein bisschen objektiver und das Buch ist von ihm selber, das ist dann doch etwas subjektiver würde ich sagen. Aber wirklich ganz klasse und ist auch am meisten hier bei den Franchise Rockstars genannt, klar.

Was würdest du denn mit deiner ganzen Erfahrung, mit deiner heutigen ganzen Erfahrung, deinem 25-jährigen Ich raten?

AU:
Ich bin jetzt noch nicht so weit weg von 25, ich bin erst 34.

LB:
Immerhin neun Jahre.

AU:
Ich kann mich noch ganz gut erinnern, als ich in dem Alter war. Zu dem Zeitpunkt habe ich noch in meinen drei Pizzawerkstätten gestanden. Ich habe relativ früh für mich erkannt, man redet immer von Work-Life-Balance, dass das ein absolut wichtiges Thema ist. Für mich war Familie und Freunde immer ein sehr wichtiger Bestandteil, trotz meines intensiven Berufslebens.

Ich habe für mich schon recht früh festgestellt, dass Erfolg ein gesunder Ausgleich ist zwischen Privatem, also Familie, und Freunde und Arbeit und man so sein Leistungsmaximum tatsächlich am besten erreichen kann. Deswegen kann ich gar nicht sagen, dass ich so viel falsch gemacht habe oder so viel richtig gemacht habe. Das ist mir in Erinnerung geblieben, dass ich damit sehr gut gefahren bin. Das sehe ich bei vielen meiner Freunde, die ich heute sehe, die sagen, sie hätten diese Möglichkeiten mit 25 vielleicht auch ganz gerne gehabt.

LB:
Das glaube ich. Als Unternehmer kann man sich das dann etwas besser aussuchen, wenn man es denn möchte. Gelingt ja auch nicht unbedingt allen. Ich sage auch nicht Work-Life-Balance, mein Begriff da ist Work-Life-Integration. Man muss ja irgendwie alles miteinander integrieren.

AU:
Das muss klappen, genau.

LB:
Super André. Vielen vielen Dank, du hast uns einen guten Einblick in das Franchisesystem MUNDFEIN gegeben, danke dafür!

AU:
Ich danke euch!

LB:
Und lieber André, dir und euch natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Ciao!

AU:
Tschüss!