Franchise-Rockstars:
Christoph Weber, fit20

Heute ist Christoph Weber zu Gast. Christoph ist Master-Franchisenehmer von fit20 in Deutschland. Fit20, man kann es sich denken, ist ein Fitnessstudio und kommt ursprünglich aus den Niederlanden. Es hat ein besonderes Konzept, das uns Christoph in diesem Interview auch erklärt.

Portrait Christoph Weber

Hallo und herzlich willkommen zum Franchise Rockstars Podcast. Mein Name ist Lars Bobach, ich bin Gastgeber und Moderator der heutigen Show. Heute habe ich den Christoph Weber zu Gast. Christoph ist Master-Franchisenehmer von fit20 in Deutschland. Fit20, man kann es sich denken, ist ein Fitnessstudio und es hat ein besonderes Konzept. Das erklärt Christoph uns auch in diesem Interview. Es kommt ursprünglich aus den Niederlanden, dort gibt es schon über 120 Studios. Jetzt versuchen sie über diesen Master Franchise den europäischen Markt zu erobern. Wie Christoph das in Deutschland vorhat und warum er sich für fit20 als Master Franchise entschieden hat, das erzählt er uns in diesem Interview.

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fit20 Deutschland

Buchempfehlungen(*):
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Das Interview zum Nachlesen

LB:
Christoph, vielen Dank, dass du dabei bist. Erkläre uns doch mal bitte das Konzept hinter fit20. Es ist ja sehr unterschiedlich zu anderen Fitnessketten, Fitnesskonzepten und auch anders als der Name vermuten lässt. Fit20, 20 Minuten, es hat aber nichts mit dem Bodystreet-Modell zu tun?

CW:
Richtig, genau. Wir sind schon ein einzigartiges Produkt, fit20 macht fit in 20 Minuten. Insofern haben wir da eine gewisse Überschneidung mit den ganzen EMS-Ketten. Aber wir sind schon grundlegend etwas anderes.

LB:
EMS ist diese elektromuskuläre Stimulation, wo man eine Weste anzieht und dann über Elektroimpulse die Muskeln stimuliert. Das macht fit20 nicht?

CW:
Genau. Wir sind auf der einen Seite klassischer, weil wir mit Geräten trainieren von einem Typus, wie du sie aus dem Fitnessstudio kennst. Bei uns trainierst du einmal wöchentlich mit einem Personaltrainer 20 Minuten an solchen Geräten, z. B. an einer Brust- oder Beinpresse.

Das findet in einem gekühlten Studio statt, so dass du dich nicht umziehen musst. Es gibt also kein Duschen, kein Umziehen. Wir haben in unseren Studios auch keine Duschen und keine Umkleiden. Aber es ist ein Personaltrainer dabei, der ausgebildet worden ist und der die Ausführung dieser Übungen überwacht. Wir stellen die Gewichte so ein und führen die Übungen so aus, dass du bis zur positiven Muskelerschöpfung, bis zu dem Punkt kommst, wo du nicht mehr weiter kannst innerhalb von 2 Minuten.

Das kann man sich mit einer statischen Übung ganz einfach vorstellen. Stell dir vor, du stellst dich hin, breitest die Arme rechts und links aus und hast in jeder Hand eine volle Gießkanne. Da wirst du relativ schnell zum Punkt kommen, wo es nicht mehr weitergeht und du die Arme senken musst. Selbst wenn ich dir eine Pistole an den Kopf halten würde, würdest du irgendwann sagen, es geht jetzt nicht mehr. Das ist der Punkt, wo wir hingehen, wo wir die Leute vorsichtig hinführen mit einer sehr langsamen Ausführung.

Auch bei dem Beispiel mit der Gießkanne, da geht jetzt auf die Gelenke nicht so viel. Und das ist unser Konzept und eigentlich gibt es ein High-Intensity als Konzept seit Ende der Sechziger, es ist von Arthur Jones entwickelt worden. Und witzigerweise ist das auch der historische Hintergrund, wo überhaupt diese Geräte, die wir aus den Fitnessstudios kennen, herkommen. Weil der nämlich bis zu dieser positiven Muskelerschöpfung gehen wollte und mit freien Gewichten ist das ein bisschen gefährlich, weil der Muskel am Ende wirklich aufgibt. Mit diesen geführten Bewegungen können wir das Risiko losmachen.

LB:
Okay, also das Besondere, wenn ich es richtig verstanden habe bei euch, ist, dass ihr an diese positive Muskelaufgabe langsam drangeht und im gekühlten Studio seid, dass man also nicht ins Schwitzen kommt. Es wirklich dann in der Mittagspause und so mal machen kann. Personaltrainer macht ihr wie diese EMS-Studios auch. Sprich, man muss also einen Termin machen einmal die Woche?

CW:
Genau, insofern richtig. Das sind schon die ersten Charakteristika des Modells, aber letztlich geht‘s darum, dass wir das ganze Modell wirklich darauf angelegt haben, um den Leuten jede Ausrede zu nehmen, keinen Sport zu machen, mindestens einmal die Woche.

LB:
Okay, die Abgrenzung zum EMS-Studio ist klar. Für mich jetzt als Laien, warum sollte ich denn zu euch gehen? Ich meine, 20 Minuten, ob ich das da oder dort mache, also bei fit20 oder jetzt beim EMS-Studio. Warum sollte ich zu euch kommen?

CW:
Gute Frage. Wir haben viele Kunden, die mögen es einfach aus persönlicher Präferenz nicht mit der Elektrizität und sagen uns, ich weiß nicht, das gibt es erst seit ein paar Jahren als Trainingsmethode. Das gibt es auch schon ewig als kurzfristige Methode für Leute, die verletzt sind, dieses EMS.

Es gibt Leute, die haben nicht so viel Vertrauen darin, was das langfristig mit dir macht. Das sind sicherlich die persönlichen Beweggründe unserer Kunden. Ich selbst muss ganz ehrlich sagen, ich habe so ein bisschen meine Zweifel, ob das langfristig so ideal ist. Ich gebe mal ein kleines Beispiel. Wir haben geführte Geräte mit geführten Übungen.

Das heißt, ich führe jedes Mal Buch darüber, wie viele Sekunden hast du welches Gewicht wie bewegt bei welchen Einstellungen auf dem Gerät. Das wird bei uns jedes Mal festgehalten. Wenn du in einem EMS-Studio eine Kniebeuge machst, dann hast du da einen Trainer, der ist vielleicht 20, hat 100 Kunden die Woche und soll sich merken, ob du die 10 Kniebeugen genauso tief gemacht hast wie letzte Woche. Das ist natürlich sicherlich ein erhöhter Schwierigkeitsgrad.

Bei uns wie bei EMS, es ist dasselbe, hängt sehr viel an der Kompetenz dieses Trainers, der da steht. Und ich glaube, die Arbeit für den Trainer ist deutlich anspruchsvoller, wenn du da Body Weight Exercice machst, also einfach Kniebeugen, Liegestützen oder sonst was.

LB:
Ja, absolut. Wie kann ich mir denn so ein typisches fit20 Studio vorstellen? Sind das auch so Schaufensterdinger wie im EMS-Studio oder wie sieht das bei euch aus?

CW:
Wir möchten es den Kunden einfach machen. Wir haben viele Kunden, die nicht so sportlich sind und die auch nicht unbedingt gerne gesehen werden wollen beim Trainieren, auch nicht innerhalb dieser 20 Minuten. Deswegen ist bei uns immer das Fenster entweder mit Milchglas verschlossen oder wir sind gar nicht in irgendeiner Umgebung, wo du dran vorbeiläufst und den Leuten beim Trainieren zuguckst.

Sondern wir versuchen, das sehr privat zu halten. Das erste Studio, was wir jetzt hier in Dortmund haben, hat Schaufenster, aber da haben wir groß Milchglas drüber, so dass die Leute ungestört bei uns trainieren können.

LB:
Ich habe mal ein Probetraining in einem EMS-Studio gemacht, das wollte ich auch mal testen, damit man weiß, wovon man da spricht. Und das hat mich wirklich ein bisschen gestört, ich kam mir vor wie im Schaufenster, war auch im Schaufenster. So ein bisschen ausgestellt. Das war irgendwie doof.

CW:
Genau, da gibt es auch unterschiedliche Konzepte, es gibt Tausende davon. Es gibt sicherlich auch welche, bei denen du das privat machen kannst, aber viele von denen sind auch eben keine Ketten, sondern da hast du dann die EMS-Geräte in einem Studio und das ist für viele Leute eben auch etwas, wo sie sagen, sie mögen das, aber es gibt auch Leute, die sagen, ich möchte jetzt nicht da mit den ganzen anderen Leuten zusammen und da vor allen den Hampelmann machen.

LB:
Aber wie viel Geräte sind da drin, wie viel Quadratmeter, was kann ich mir da vorstellen, wie sieht so ein Studio aus?

CW:
Wir haben eine Trainingsfläche, die sollte so 60 Quadratmeter groß sein, 70 geht auch noch. Auf 50 kriegen wir es bestimmt drauf. In Paris hat jetzt einer aufgemacht, der hat nur 40. Das wird aber sehr, sehr eng. Da sind sechs Maschinen drauf, auf dieser Trainingsfläche. Das sind, wenn du ein Fitnessstudio schon mal gesehen hast, wie groß so eine Trainingsmaschine ist, da hast du einen guten Eindruck davon, wie die sechs Maschinen so aussehen, wie groß die sind.

Und dann, wenn mich einer fragt, sage ich immer, so zwischen 80 und 100 Quadratmetern Gesamtfläche brauchen wir für einen Standort, weil du natürlich auch ein kleines Büro brauchst. Oft sind die Toiletten mit in die Fläche eingerechnet und du willst vielleicht einen kleinen Warteraum für die Kunden haben. Das ist bei uns besonders wichtig, weil du eben die Trainingsfläche kühlst auf 17 bis 18 Grad, damit die Leute sich nicht umziehen müssen. Das hat natürlich zur Folge, wenn da jemand etwas früher kommt, ist es im Sommer ziemlich kalt. Da zu warten macht jetzt nicht so viel Spaß, deswegen haben wir immer noch einen Warteraum dabei, der nicht klimatisiert ist.

LB:
Wie viele trainieren da gleichzeitig?

CW:
Eins zu eins oder eins zu zwei, also ein Trainer, ein Kunde oder ein Trainer, zwei Kunden. Die meisten Kunden, die wir haben, buchen einen flexiblen Tarif, wo wir sie dann mit einem anderen Kunden zusammen trainieren dürfen. Da können wir natürlich etwas bessere Preise machen.

LB:
Alles klar. Jetzt habe ich das verstanden. Ich kann mir auch ungefähr vorstellen, wie so ein Studio von euch aussieht. Jetzt aber mal zu den Franchisesystemen, wir sind ja bei den Franchise Rockstars, da müssen wir natürlich auch darauf eingehen, das ist eigentlich das Wichtigste.

Jetzt kommt das Ganze, habe ich mich vorher auch eingelesen und informiert, aus Holland oder aus den Niederlanden. Da ist das ja auch sehr erfolgreich und du bist ja Master-Franchisenehmer für Deutschland. Jetzt erzähle erstmal bitte etwas über die Historie, wie es in Holland entstanden ist und wo sich das gerade weltweit ausbreitet oder europaweit und dann dazu, warum du diese Master-Lizenz für Deutschland gekauft hast.

CW:
Fangen wir an mit der Geschichte in den Niederlanden, die ist sicherlich etwas älter. Das ist es losgegangen in 2004, eigentlich mit dem Walter Vendel und dem Bram Kroeske. Eigentlich auch eine typische Geschichte, die eben klassische Jobs hatten. Walter Vendel war Geschäftsführer von einem großen Unternehmen und wollte aus dem rat race aussteigen.

Und die haben zusammen ein Studio aufgemacht und haben sich überlegt, wie sie sich ein bisschen von den anderen unterscheiden können. Sie haben sich inspirieren lassen von jemandem aus den USA, der das dort auch schon ähnlich umgesetzt hatte. Nicht so ausgefeilt wie bei fit20, aber vom Grundprinzip auch diese Zeitlupenübungen mit den hohen Gewichten, wie 20 Minuten in New York irgendwelche Börsenmakler in sehr kurzer Zeit in der Woche trainieren sollten.

Das haben sie sich angeschaut und dann umgesetzt in einem ganz kleinen Kaff in den Niederlanden. Und sie haben gesagt, wenn es hier bei uns geht, dann geht es überall. Genauso war es auch, sie hatten es 2009 soweit ausgefeilt, dass sie ein Franchisesystem daraus gemacht haben. Das heißt, sie sind jetzt seit zehn Jahren dabei und dieses Jahr haben wir 140 Studios weltweit, davon 120/130 in den Niederlanden und 15.000 Kunden, die weltweit in irgendwelchen fit20-Studios Mitglied sind.

LB:
Wo ist das sonst noch verbreitet, also du jetzt in Deutschland und welche Länder sind noch dabei? Also Paris haben wir gerade gehört, also Frankreich wird dabei sein.

CW:
Genau, Paris ist gerade neu dazugekommen. Das erste war Belgien, die sind schon ein bisschen größer. Ich glaube, die sind so bei zehn Standorten über den Daumen gepeilt im Moment. Vielleicht acht bis zehn oder so etwas und in UK gibt es drei oder vier. Ich glaube, da hat letzte Woche noch einer aufgemacht. USA sind zwei, drei Standorte und wir haben einen Standort in Katar und in Neuseeland.

LB:
Wo seid ihr in Deutschland überall schon?

CW:
In Dortmund. Da haben wir Ende Januar, am 25., den ersten Pilotbetrieb aufgemacht und der läuft super an.

LB:
Du hast Master-Franchise für Deutschland gekauft, also das Konzept von fit20 ist, Master-Franchise für Länder dann zu vergeben und zu verkaufen?

CW:
Genau. Wir haben sicherlich auch Regionalentwickler in den USA, weil es eben ein riesengroßes Land ist, aber grundsätzlich ist es so, dass für ein Land ein Master-Franchiser vorgesehen ist.

LB:
Und wie baust du das jetzt hier in Deutschland auf? Gibt es da noch unterregionale Franchiser für Bundesländer oder Regionen oder wird das so sein, dass es nur eine Art von Lizenz gibt?

CW:
Der Plan sieht vor, dass es keine Unterlizenzen für Regionen gibt, so planen wir im Moment. Wir wollen es also langsam aufbauen, wir fokussieren uns auf Nordrhein-Westfalen. Wobei ich das auch relativiere, wenn mich morgen einer aus Berlin anruft und ich sage, das passt alles hundertprozentig, dann können wir das sicherlich auch so machen, dass wir von diesem Plan abweichen.

Dasselbe gilt auch für die Regionallizenzen, da weiß ich auch fit20 als Franchise-Organisation hinter mir. Wenn wir jetzt den perfekten Regionalentwickler finden für die Region Bayern, wären wir da sicherlich offen und für alle Schandtaten zu haben. Aber das, was wir jetzt Schritt für Schritt ausführen, ist erstmal das klassische Modell, ein Master-Franchise für Deutschland, natürlich mit Regionen, aber eben alles durch den einen Master-Franchiser vergeben.

LB:
Der Pilotbetrieb in Dortmund, das ist dann deiner sozusagen, richtig?

CW:
Genau.

LB:
Was sucht ihr denn für Franchisenehmer, was muss denn ein guter Franchisenehmer für euch oder potentielle Franchisenehmer mitbringen?

CW:
Ich glaube, grundsätzlich ist es wichtig, die Begeisterung dafür mitzubringen, Menschen durch regelmäßiges Krafttraining weiterzuhelfen. Wir glauben da wirklich dran und das treibt tatsächlich unsere Entscheidung. Ich habe früher in einem Konzern gearbeitet, da sind oft diese Missionen und Visionen, das sind immer so leere Bekenntnisse, die irgendwann die Kommunikationsabteilung entwickelt hat.

Das ist bei uns nicht so und du kriegst wirklich im Alltag auch mit, dass es unsere Entscheidungen treibt. Wir glauben wirklich daran, dass wir dadurch, dass wir Menschen an Krafttraining ranbringen können, die vorher entweder gar keinen Sport gemacht haben oder überhaupt kein Krafttraining, dass wir da wirklich was Gutes für die Leute tun können. Und dafür braucht es ein bisschen Begeisterung.

Wir sind in Deutschland halt noch super klein im Moment und wir brauchen jemanden, der sich damit auch anfreunden kann, das in Deutschland jetzt aufzubauen. Wir haben natürlich ein bewährtes Konzept, 140 Studios, 15.000 Kunden weltweit, es ist nicht so, als wäre da nichts im Hintergrund. Aber es ist so eine Zwittergeschichte zwischen etwas komplett Neues aufbauen und bewährtes Konzept haben.

Wir brauchen Leute, die sich dafür begeistern können, vor allem für das Produkt. Und wir brauchen, das ist ähnlich wie bei ähnlichen Konzepten natürlich, es ist sehr personengetrieben, das Geschäft. Derjenige, der auf der Fläche steht, um den geht es. Man muss natürlich eine Kontaktfreude mitbringen, Einfühlungsvermögen und dem muss dieses Netzwerken auch liegen, mit dem du letztlich dein Studio vollkriegst.

LB:
Von wie viel Geld reden wir hier, was für eine Investitionssumme ist notwendig, um fit20 aufzubauen?

CW:
Zwischen 80.000 € und 90.000 € muss man sicherlich rechnen. Da ist allerdings schon der Unternehmerlohn mit drin für die ersten Monate.

LB:
Und auch die Lizenzgebühr und die Ausstattung?

CW:
Genau, alles was du brauchst, damit es losgehen kann.

LB:
Das ist relativ überschaubar.

CW:
Ja, es ist immer die Frage, womit du es vergleichst. Wir haben natürlich auch Interessenten, die sagen, ich überlege mir, ob ich ein großes Fitnessstudio kaufe, da kannst du locker nochmal eine Null dranhängen. Aber das ist schon überschaubar.

LB:
Welche Renditen sind da möglich? Gerade bei so einem neuen System ist es wichtig das zu wissen, damit Leute auch Geschmack daran kriegen, sich in etwas Neues reinzuwagen.

CW:
Wenn du fragst, was ist möglich, wäre das ja die Frage nach dem Maximum. Wir haben durchaus Leute, die Multiunits haben mit 300 Kunden pro Einheit. Und da kannst du natürlich mit einer Einheit ohne Weiteres 50.000 € verdienen. Wenn du drei Einheiten hast, ist es natürlich vor Steuern schon ein ganz ordentliches Einkommen. Von der Häufigkeit her ist es sicherlich so, wenn wir in dem Bereich sind von 40.000 € bis 50.000 € pro Einheit, dass das sicherlich das obere Drittel ist in Holland.

LB:
Gut, aber das ist ja sicherlich sehr vergleichbar mit dem deutschen Markt.

CW:
Davon gehe ich jetzt auch aus. Ich sage es immer noch vorsichtshalber dazu, damit da keine Missverständnisse entstehen. Denn ich habe erst seit Januar hier Erfahrungswerte, aber ich gehe davon aus, dass es ungefähr vergleichbar ist.

LB:
Jetzt erzähle uns doch mal, wie jemand wie du, der ja aus einem Konzern kommt, sicherlich da auch Führungsverantwortung hatte, sich in dieses Abenteuer eines Master-Franchise wagt. Das ist ja ein recht großes Investitionsvolumen, was man da erstmal stemmen muss. Und wie bist du darauf gekommen und warum hast du dich für fit20 entschieden?

CW:
Ich bin nicht alleine, das ist eben das Schöne bei Franchise und eben auch bei uns, dass man nicht alleine ist. Ich habe eine kleine Tochtergesellschaft von einem Konzern geleitet in Katar im Mittleren Osten. Da habe ich fit20 kennengelernt, da hat nämlich ein Studio aufgemacht. Das hat mich fasziniert, ich hatte vorher schon mal von High-Intensity Training gehört, habe das auch schon mal selber versucht über Tim Ferris, der 4-Stunden-Körper. Insofern hatte ich schon mal davon gehört, hatte auch selber schon mal ein bisschen rumprobiert.

Aber diese Idee, dass dich einer die ganze Zeit dabei begleitet und dich da wirklich an dieses Limit bringt, das war natürlich schon interessant. Als ich dann nach Deutschland zurückgekommen bin, habe ich überlegt, wo gibt es die hier oder wann kommen die denn. Um das für mich selber auch zu machen und dann habe ich fit20 angeschrieben und habe eine E-Mail zurückbekommen, wir sind gerade dabei, nach Deutschland zu expandieren und suchen dafür Partner.

Und so ist der Kontakt entstanden und ich habe dann gesagt, das interessiert mich, ich würde mich da gern an der Reise beteiligen. Ich glaube eben auch daran, auch durch die Recherchen, die ich in dem Zusammenhang nochmal angestellt habe, um es auch ein bisschen zu verifizieren, dass du wirklich da eine Menge tun kannst und dass es eigentlich falsch ist, was man uns da jahrzehntelang beigebracht hat, wie gehe bloß dreimal die Woche eine halbe Stunde oder so etwas joggen, dass das hier eigentlich die bessere Trainingsmethode ist, um Leute wie auch mich, die nicht so viel mit Sport am Hut haben, dazu zu bringen, was zu tun, was deutlich sportlich ihre Lebensqualität verbessert.

Ich war begeistert von dem Konzept und als fit20 dann angefangen hat, sich hier Partner zu suchen, war ich halt mit dabei und irgendwann sind wir dann dazu kommen, dass mich der Walter Vendel gefragt hat, sag mal, willst du das nicht machen. Also, nicht nur als Partner, sondern als derjenige, der die Master-Franchise Organisation aufbaut. Ich habe Erfahrung im Aufbau von Organisationen aus dem Konzern. Ich habe Tochtergesellschaften in Australien, UK, Ägypten und eben in Katar aufgebaut. Insofern kommt daher meine Expertise.

LB:
Aber nicht im Franchise, da bist du jetzt neu?

CW:
Wir waren immer Tochtergesellschaften.

LB:
Ist ja schon ein bisschen was anderes. Jetzt, im Mai 2019, bist du jetzt schon 4,5 Monate aktiv tätig. Letztes Jahr auf der Franchise-Expo haben wir uns kennengelernt, also da hast du ja auch schon angefangen, das auf jeden Fall zu bewerben, aktiv jetzt seit Anfang des Jahres. Was sind so die Learnings, das wichtigste Learning, in den ersten vier, fünf Monaten?

CW:
Wenn ich es nochmal machen würde, dann würde ich … Wir haben es so gemacht, dass wir eigentlich erst die Franchisegesellschaft aufgestellt haben, wie du ja eben schon gesagt hast, das ist schon ein ganz schönes Finanzierungsvolumen und wir haben losgelegt auch mit dem Pilotbetrieb, als wir die Finanzierung stehen hatten.

Wenn man ehrlich ist, war das kurz nachdem wir uns auf der Messe kennengelernt haben. Wenn ich es nochmal machen würde, dann würde ich eher mit dem ersten Betrieb sofort und relativ früh anfangen, bevor die Finanzierung für das Gesamtunternehmen steht, um einfach da schon die Erfahrung vorweisen zu können. Das ist sicherlich was, was ich jetzt anders machen würde.

LB:
Okay, erstmal wirklich in der Praxis Erfahrung sammeln.

CW:
Es geht weniger um die Erfahrung als zu demonstrieren, es geht eben. Wir haben zum Beispiel ein Studio in Venlo, das ist vier Kilometer über die Grenze. Der Studioleiter da spricht fließend Deutsch und ich dachte, wenn jemand interessiert ist, fährst du halt nach Venlo mit den Leuten. Aber es ist immer ein gewisses Misstrauen bei den Deutschen vorhanden.

Ja, es ist zwar nah dran und die sprechen da alle Deutsch, aber es ist bei uns doch vielleicht alles ganz anders. Ich glaube, das hätten wir wegnehmen können. Wir sehen eben, dass all die positiven Erwartung, die wir in Bezug darauf hatten oder haben, wie die Kunden reagieren, dass die eigentlich bestätigt werden hier in Dortmund. Und wenn ich da jetzt schon Monate weiter wäre, wäre das sicherlich auch gut, um es den Leuten zu zeigen.

LB:
Okay, verstanden. Wie sind denn eure Pläne, was habt ihr denn dieses Jahr geplant, wie viele Standorte meint ihr, werdet ihr schaffen und was ist so die Endausbaustufe, die du dir vorstellen kannst?

CW:
Also, die Endausbaustufe, da wäre es natürlich schön, wenn wir so Bodystreet-Zahlen irgendwann erreichen würden, aber das ist sicherlich noch ein paar Jährchen in der Zukunft. Dieses Jahr würde ich gern vier bis sechs Standorte im Herbst und im Winter dann aufmachen.

LB:
Wie viel hast du schon im Vorlauf?

CW:
Wir haben jetzt schon, ich würde mal sagen, zwei, wo es etwas werden könnte. Ansonsten sind wir wild daran zu suchen.

LB:
Das ist, glaube ich, auch die größte Herausforderung, gerade sagt man ja auch, wenn‘s in Deutschland oder generell, wenn es einer Nation gut geht, einer Wirtschaft gut geht, da tut sich die Gründerszene schwer, da irgendwie Leute zu finden, die sich dann in das Risiko Selbständigkeit wagen. Und den Deutschen geht es ja gut, der deutschen Wirtschaft geht‘s gut. Wir haben ein Rekordniveau, was Arbeitslosigkeit angeht, also Minusrekord. Und es ist schwierig, kann ich mir vorstellen.

CW:
Bei uns ist es sicherlich auch noch so, dass wir eben nochmal ein bisschen vorsichtig sind, was die Partnerschaften angeht, weil wir sagen, die ersten fünf, die wir jetzt finden, das ist die Keimzelle, aus dem alles wächst. Die müssen mit uns zusammenpassen, es muss eine Keimzelle werden, die wirklich auch dieses explosive Potenzial hat, aus der alles andere wachsen kann.

Und das heißt, da kommt noch zu der guten wirtschaftlichen Situation hinzu, dass wir natürlich vorsichtig sind, weil wir uns da kein Ei ins Nest legen wollen bei den ersten. Jeder wird natürlich auf die Statistik der ersten Betriebe gucken.

LB:
Da spricht viel Erfahrung mit. Ein häufiger Fehler, den ich bei Franchisesystemen höre ist, dass sie am Anfang nicht selektiv genug waren, was ihre Partner angeht, dass sie da wirklich erstmal jeden mit Hurra reingenommen haben, um zu wachsen und dann hinterher festgestellt haben, das waren doch nicht so die Richtige. Da spricht auf jeden Fall viel Weisheit.

CW:
Ich habe eben eine große Franchise-Organisation im Rücken, die natürlich diese ganzen Lektionen schon lernen musste und jetzt eben überträgt. Das ist ja, was ich meine, ich bin nicht allein, weder bei der Finanzierung noch bei diesen Faktoren. Da können wir schon eine Menge sowohl für uns als Master-Franchiser als auch auf der Ebene des Franchisings aus den Erfahrungen aus Holland lernen.

LB:
Nicht alleine heißt, du bist also auch nicht der einzige Master-Franchiser, sondern machst das jetzt mit den Holländer zusammen oder wie darf ich mir das vorstellen?

CW:
Die Holländer sind immer noch beteiligt an der deutschen Gesellschaft. Das war für mich auch ganz wichtig, damit die Interessen da übereinstimmen. Damit das System nicht so ist, dass wir hier Verlust machen können und den Holländern geht es gut. Die sind also beteiligt und wenn es uns wehtut, tut es denen auch weh. Das war für mich als Investor ganz wichtig. Weil eben darüber auch noch mal eine zusätzliche Beteiligung in der Praxis, im Tagesgeschäft, kommt, dass sie eben da unterstützen.

Und ich bin insofern auch nicht alleine, als wir auch eine Investorengruppe haben, die bei uns mit dabei ist und in den Master-Franchiser investiert hat. Was jetzt die tägliche Praxis angeht, sind wir natürlich schon im Moment ein sehr kleines Team.

LB:
Hast du die Investorengruppe zusammengestellt oder wie ist die zusammengekommen?

CW:
Ich war da mit dran beteiligt. Es sind aber hauptsächlich zu 90 Prozent kleine Investoren, die von fit20 begeistert sind und es in den Niederlanden kennengelernt haben. Wir haben jetzt kein Millioneninvestment oder so etwas, sondern eine Gruppe im unteren zweistelligen Bereich.

LB:
Alles klar, aber es ist so, dass da schon auch die Investitionssumme zum Großteil dann auch von dem Master-Franchisegeber sozusagen mit organisiert wurde?

CW:
Ja, das kann man so sagen.

LB:
Ist ja vielleicht auch für Franchisesysteme, die hier zuhören, interessant, wie man so eine Expansion ins Ausland macht. Das scheint ja fit20 wirklich sehr gut gelungen zu sein, erstmal den Kernmarkt Holland, ist ja auch ein kleinerer Markt, viel kleiner als Deutschland, dann da so präsent zu sein. Ich kann mir vorstellen, mit 120 fit20-Standorten dort ist man schon sehr präsent, in so einem flächenmäßig doch relativ kleinen Land. Und dann über Masterlizenzen, wo man selbst auch noch mit an den Gesellschaften beteiligt ist und über Investoren, die dann da mit reingehen, hört sich nach einem schlüssigen Konzept an.

CW:
Ja, ich glaube, ich muss nochmal fit20 fragen, ob sie da so entspannt sind, wenn wir das so erzählen. Die sind natürlich schon daran interessiert, dass im Normalfall der Master-Franchiser den Cash selber mitbringt.

LB:
Gut, das ist natürlich der Optimalfall. Aber es stehen auch Summen im Raum, das kann nicht jeder so stemmen. Und wenn du sagst, was ihr dieses Jahr geplant habt, das hört sich nicht so an, als hättest ihr den Break Even annähernd in Sicht.

CW:
Wenn wir das schaffen würden im mehr oder weniger ersten Jahr der Aktivität, den Break Even zu erreichen, das wäre ein großes Kunststück. Es ist illusorisch, sich so etwas vorzustellen. Da ist harte Arbeit noch dabei.

LB:
Klar, super. Dann Christoph, bedanke ich mich erstmal bis hierhin. Machen wir mal einen Strich Franchisesystem, meine zwei Schlussfragen. Da bitte ich immer um schnelle oder kurze und präzise Antworten. Welches Buch hat dich als Unternehmer und Mensch am meisten geprägt?

CW:
Influencer, The New Science of Leading Change von Joseph Grenny (*).

LB:
Was würdest du deinem 25jährigen Ich mit deiner heutigen Erfahrung raten?

CW:
Das Leben ist zu kurz, um einen Job zu machen, hinter dem du nicht zu 100 Prozent stehst und Produkte zu verkaufen, mit denen du dich nicht zu 100 Prozent identifizieren kannst.

LB:
Das hast du anscheinend zu lange gemacht, oder?

CW:
In meiner letzten Tätigkeit war ich eigentlich ziemlich überzeugt von dem, was wir verkauft haben. Aber ich hatte mal zwischendurch eine Phase, wo ich sicherlich Sachen gemacht habe, von denen ich nicht ganz überzeugt war.

LB:
Ich glaube, die Phase hat jeder irgendwann in seinem Leben. Es gibt ganz wenige, die das nicht haben.

CW:
Irgendwie musst du ja Geld verdienen. Aber klar hat jeder so eine Phase, aber ich glaube, irgendwann muss man sich auch irgendwie vornehmen und sagen, gut, das kann nicht der Endzustand sein.

LB:
Die Sinnhaftigkeit sollte man wirklich öfter hinterfragen. Aber solche Phasen kenne ich auch, wo ich im Nachgang denke, was hast du eigentlich damals gemacht, wo nur das Geldverdienen im Vordergrund stand, wenn die Sinnhaftigkeit nicht stimmt, macht das auf jeden Fall nicht glücklich.

CW:
Genau.

LB:
Schöne Schlussworte, Christoph, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses tolle Interview.

CW:
Ich danke dir für die Gelegenheit, ich finde auch den Podcast eine super Sache, es ist super interessant, was du da rauskitzelst.

LB:
Freut mich und ich wünsche dir, lieber Christoph, und Euch natürlich wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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