Franchise-Rockstars:
Jochen Pollotzek, Kamps GmbH

Heute ist Jochen Pollotzek von der Bäckereikette Kamps zu Gast beim Podcast Franchise-Rockstars. Jochen ist einer der beiden Geschäftsführer von Kamps. Er ist seit über 20 Jahren bei Kamps und wurde noch persönlich von Heiner Kamps eingestellt und hat für ihn in der Zeit das Franchisesystem aufgebaut. Er erzählt uns über die aktuellen Inhaber, da gab es einige Wechsel. Und auch, was sie unter Soft-Franchise verstehen.

Jochen Polloltzek, CEO von Kamps

Hallo und herzlich willkommen zum Franchise Rockstars Podcast. Mein Name ist Lars Bobach, ich bin Moderator und Gastgeber der heutigen Show. Heute habe ich Jochen Pollotzek zu Gast. Jochen ist einer der beiden Geschäftsführer von Kamps, der Bäckereikette. Er ist seit über 20 Jahren bei Kamps und wurde noch persönlich von Heiner Kamps eingestellt und hat für ihn in der Zeit das Franchisesystem aufgebaut. Er erzählt uns so ein bisschen über die aktuellen Inhaber, da gab es einige Wechsel. Und auch, was sie unter Soft-Franchise verstehen, nämlich einen einfachen, mit einem kleinen Investitionsvolumen verbundenen Einstieg in die Franchise-Welt bei Kamps.

Links

Website:
Kamps GmbH

Buchtipps(*):
Business Class von Martin Suter
Die dunkle Seite des Mondes von Martin Suter
Open von Andrew Agassi

Das Interview zum Nachlesen

LB = Lars Bobach
JP = Jochen Pollotzek

LB:
Jochen, schön, dass du da bist bei den Franchise Rockstars. Lass uns doch als erstes an den aktuellen Zahlen von Kamps teilhaben, also Franchisenehmer, Umsatz, Mitarbeiter. Was hast du da anzubieten?

JP:
Fakten, Fakten, Fakten. Lars, ich freue mich auch, dabei zu sein, vielen Dank für die Einladung. Kamps, großes Franchisesystem, wir haben etwa 300 Franchisepartner, die 450 Standorte betreiben. Wir machen einen Außenumsatz netto von über 225 Millionen Euro. Neben den Franchisepartnern haben wir bei Kamps etwa 450 Mitarbeiter, die vor allem in der Produktion, in der Verwaltung und im Außendienst arbeiten und unsere Franchisepartner entsprechend unterstützen. Und die Franchisepartner selber haben natürlich ungefähr 3.500 Mitarbeiter, die bei den Franchisepartnern beschäftigt sind. Das heißt, wir sind schon ein System mit 4.000 bis 4.500 Markenbotschaftern.

LB:
Du sagst, in der Produktion habt ihr viele in der Zentrale. Wo produziert ihr denn eure Backwaren genau?

JP:
Wir produzieren in Schwalmtal, das ist sicher nicht der Nabel der Welt und nicht besonders zentral in Deutschland gelegen, sondern zwischen Mönchengladbach und der holländischen Grenze. Da haben wir unsere eigene Produktion. Die allermeisten Backwaren, die bei uns in den Kamps Bäckereien verkauft werden, werden hier in Schwalmtal auch wirklich produziert von Bäckermeistern, die auch wirklich ihre Hand noch im Teig haben.

LB:
Okay. Jetzt ist ja Kamps von dem Herrn Kamps damals gegründet worden. Aber der ist nicht mehr dabei, wer sind denn jetzt aktuell die Inhaber?

JP:
Gute Frage. Ich glaube, viele denken immer noch, dass Heiner Kamps noch im Unternehmen steckt. Dem ist aber schon seit vielen Jahren nicht mehr so. Heiner Kamps hat das Unternehmen 1982 gegründet in Düsseldorf mit einer eigenen Bäckerei, dann wurde es an Barilla verkauft. Zwischendurch hatten wir einen Finanzinvestor drin und inzwischen ist der Eigentümer die Le Duff, wird wahrscheinlich auch nicht jeder kennen. Es ist ein französisches Unternehmen, auch ein Familienunternehmen, die sich in verschiedenen Retail- und Bäckereibereichen bewegen. Und für unsere Branche doch einen erheblichen Umsatz machen von 2 Milliarden Euro. Das heißt, wir sind jetzt froh, dass wir einen strategischen Investor haben, der auch langfristig die Marke Kamps weiter nach vorne bringen wollen.

LB:
Wie lang sind die schon dabei?

JP:
Seit 2015.

LB:
Also vier Jahre. Was ich natürlich als Rheinländer fragen muss: Was macht der Herr Kamps denn heute? Habt ihr noch Kontakt und weißt du, was er tut zurzeit?

JP:
Er hat mich damals eingestellt, ich bin schon sehr lange bei Kamps persönlich. Das heißt, wir haben immer noch ein gutes Verhältnis, einen guten Draht, miteinander. Er kommt mich einmal im Jahr besuchen. Wir treffen uns hier und da mal auf Veranstaltungen. Er war bei Nordsee investiert, hat die Beteiligung jetzt aber auch verkauft und hat verschiedene unternehmerische Tätigkeiten. Er hat eine kleine, Bäckereikette wäre fast zu viel gesagt, drei Standorte, das Bäckereikonzept ist Bastians, was er ganz toll macht, aber das ist natürlich in dem Sinne dann kein System und schon lange kein Franchisesystem. Das heißt, er ist der Backwarenbranche immer noch sehr verbunden.

LB:
Er ist Bäckermeister, oder?

JP:
Genau, ja.

LB:
Eine tolle Erfolgsgeschichte. Was sollen denn jetzt potentielle Franchisenehmer unbedingt über Kamps wissen? Was zeichnet euch aus?

JP:
Es ist schwierig, das auf den Punkt zu bringen. Es ist wichtig zu sagen, wir sind Deutschlands bekannteste Marke. Ich glaube, das ist schon mal ein Pfund im Backbereich. Insgesamt noch nicht, aber wir haben eine Markenbekanntheit in Nordrhein-Westfalen von deutlich über 90 Prozent und deutschlandweit von über 70 Prozent. Und das bietet natürlich eine gute Basis, auch die Kunden zu begeistern. Wir bekennen uns ganz klar zum Franchising.

Als ich vor knapp 20 Jahren angefangen habe, haben wir noch einiges in Eigenregie gemacht, haben aber auch über die Jahre umgestellt, weil ich ein großer Franchisefan bin und davon überzeugt bin, dass es richtig ist, eine Arbeitsteilung zu haben. Jeder sollte das tun, was er am besten kann. Wir können Marke, wir können System, wir können gute Produkte und der Franchisepartner draußen vor Ort kennt den lokalen Markt am besten und ist da viel flexibler und marktorientierter als wir das sein können.

Das heißt, wir bekennen uns klar zum Franchise, haben nur sieben eigengeführte Filialen. Und das sind im Wesentlichen Testfilialen und Werksfilialen. Was wichtig ist und worauf wir auch stolz sind, wir sind wirklich Bäcker, wir stellen unsere Backwaren selber her. Wir haben also viel Erfahrung, viel Kompetenz in diesem Bereich. Und wir sind ein Menschenunternehmen. Das heißt, du hast es eben schon angesprochen, Heiner Kamps hat das Unternehmen gegründet als Familienunternehmen. Jetzt mit der Groupe Le Duff sind wir letztlich wieder ein Familienunternehmen.

Und wir führen das Unternehmen hier in Deutschland auch wie ein Familienunternehmen und wir sind eine große Familie, auch mit den Franchisepartnern zusammen, wo jeder seine Rolle spielen und jeder seine Aufgaben und Pflichten hat und es auch mal Streit gibt. Wie das in einer Familie auch so ist, aber letztendlich sind wir uns sehr nah und wertschätzen uns und schätzen uns. Und das macht auch den Großteil unseres Erfolges aus. Wir haben keine großen Hierarchien, sondern gehen sehr nett und respektvoll miteinander um.

LB:
Jetzt sagtest du, 90 Prozent Bekanntheit in Nordrhein-Westfalen, im restlichen Bundesgebiet 70 Prozent. Also, ihr habt schon ganz stark den Fokus hier auf Nordrhein-Westfalen. Wie ist denn so die Flächenabdeckung, hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen oder auch bundesweit? Ich meine, hier in NRW kommt man nicht um euch herum.

JP:
Stimmt, wir haben schon immer noch die deutlich meisten Aktivitäten hier in NRW, von unseren 450 Filialen aber 360 in NRW, den Rest außerhalb von NRW. Hier ist unsere Heimat, hier haben wir eine starke Verdichtung. Das werden wir außerhalb von NRW nie erreichen. Außerhalb von NRW konzentrieren wir uns wirklich auf Ballungsregionen, auf Verdichtungsräume. Da sind wir vor allem an Flughäfen, an Bahnhöfen, in Centern, in Innenstadtlagen. Nicht so sehr in Supermärkten oder in Nachbarschaftslage, wie wir es hier in NRW sind. Das heißt, außerhalb von NRW sind es eher so schön Capital Locations, die großen Standorte mit viel Umsatzpotenzial.

LB:
Wenn man jetzt die Anzahl der Standorte durch die Franchisenehmer teilt, kriegt man ganz klar das Bild, dass es auch Multiunit Franchisenehmer bei euch gibt. Was bietet ihr denn generell für Lizenzen an? Habt ihr den Fokus auf Multi Unit oder habt ihr lieber den einzelnen? Welche unterschiedlichen Lizenzen gibt es?

JP:
Es macht uns auch ganz spannend, dass wir eigentlich alles bieten. Wir sind vom Grunde eher ein Soft-Franchiseunternehmen, so, wie wir es sagen. Das heißt, die Franchisepartner haben die Möglichkeit, auch wirklich mit kleinem Geld, mit sehr geringen Eintrittsbarrieren, ins System zu kommen. Sie schließen keinen Mietvertrag ab, gehen damit auch kein Mietvertragsrisiko ein, gehen kein Investitionsrisiko ein, sondern starten hier als kleiner Unternehmer. Das ist Soft-Franchise ohne Investitionen, ohne Mietvertrag, mit starker Unterstützung von uns.

Wir bieten aber auch Investitions-Franchisemodelle an, sowohl für private Franchisepartner als auch für die Firmen, mit denen wir zusammenarbeiten. Und wie du gesagt hast, wir haben die Möglichkeit, Einzelstandorte zu vergeben, aber eben auch mehrere. Und das Schöne ist, man kann sich eben auch weiterentwickeln im System. Wir haben viele, die mit einem Standort angefangen haben. Die dann gesagt haben, ich würde gern noch ein bisschen mehr machen. Die dann noch einen zweiten übernommen haben oder einen größeren übernommen haben.

Oder dann eben nach einer Zeit auch erst investiert haben in den Standort, weil sie gesagt haben, ich möchte erstmal soft anfangen, um das System besser kennenzulernen und dann gemerkt haben, das ist eigentlich eine coole Sache, da bin ich auch bereit, mein Geld zu investieren. Das macht unser System aus, dass wir für jeden etwas dabei haben und auch die Entwicklung der Franchisepartner entsprechend mitmachen können.

LB:
Kannst du mal so eine Bandbreite geben, wo es so beim Soft-Franchising anfängt? Ein bisschen Geld muss man da auch mitbringen, nehme ich an, ganz ohne wird es nicht gehen? Und bis hin, wenn man so einen richtigen Standort aufmachen will. Wo liegen da die Investitionsgrößen?

JP:
Im Soft-Franchising ist es eher ein Pachtmodell wie im Tankstellensystem. Das heißt, wir haben eine Eintrittsgebühr für die Eingliederung ins System, für Trainingsmaßnahmen, Schulungsmaßnahmen, von 5.000 Euro. Wir haben eine Sicherheit, die der Franchisepartner bringen muss in Form von einem Sparbuch oder einer Bürgschaft. Das fängt bei 10.000 Euro an, geht durchaus auch ein bisschen höher, je nachdem, was für ein Umsatz dahintersteckt. Und dann braucht man natürlich ein bisschen Geld, um die Ware vorzufinanzieren.

Aber nochmal, keine Investitionen in den Laden oder in den Mietvertrag, das macht es gerade aus, dass man auch ohne großes Eigenkapital bei uns einsteigen kann.

LB:
Und was muss ich jetzt so als „normaler“ Franchisenehmer investieren?

JP:
Es fängt ungefähr bei 250.000 Euro an, zwischen 250.000 Euro und 350.000 Euro ist die Investition in eine Kamps-Bäckerei.

LB:
Kannst du denn so prozentual sagen, Soft-Franchise zu normalem Franchise, wie ist das aufgeteilt?

JP:
Soft-Franchise ist etwa 90 Prozent. Das heißt, wir haben ungefähr von den 450 Standorten 45 bis 50 im Investitionsfranchising und der Rest ist Soft-Franchise.

LB:
Okay, aber die Grenzen sind durchlässig. Wenn jemand so anfängt, kann er sich dahin entwickeln? Es muss ja irgendeinen Grund geben, das zu tun, dass man da dann auch mehr Rendite für sein Kapital kriegt.

JP:
Genau. Das sollte so sein.

LB:
Auch wenn jetzt die Barrieren sehr niedrig sind, finde ich toll, dass man es öffnet auch für kleinere Geldbeutel. Aber was müssen gute Franchisenehmer unbedingt mitbringen, um bei Kamps erfolgreich zu sein oder von euch überhaupt angenommen zu werden?

JP:
Sie müssen begeistert sein und diese Begeisterung uns auch spüren lassen. Grundsätzlich suchen wir schon Leute, die auch selber mitarbeiten. Das heißt, es ist kein reines Investitionsmittel hier, sondern wir suchen gute Leute, die Erfahrung haben im Verkauf. Muss nicht unbedingt Bäckerei sein, kann auch Gastronomie, Systemgastronomie sein oder auch Lebensmitteleinzelhandel.

Klar, sie brauchen auch ein gewisses kaufmännisches Verständnis, müssen vor allem auch Freude im Umgang mit Menschen haben. Wir sind ein Bedienungsverkauf, das heißt, man muss auch Spaß haben zu verkaufen. Und man muss natürlich auch selber, auch wenn es oftmals kleine Unternehmen sind, die die Franchisepartner dann führen mit wenigen Mitarbeitern, aber auch die muss ich führen und begeistern.

Und wie es immer so schön heißt, Retail ist Detail. Es geht auch um die Liebe zum Detail und um die Liebe auch zu unserer Backware, zu unserem Produkt. Das ist wichtig und Deutsch sprechen sollte er auch können. Wir haben sehr viele Franchisepartner mit multikulturellem Hintergrund, weil es in anderen Ländern ja auch durchaus verbreiteter ist, sich selbständig zu machen. Da ist auch die Risikobereitschaft vielleicht manchmal größer als hier in Deutschland und das ist auch prima, darauf sind wir auch stolz, wir sind froh darüber. Aber Deutsch sprechen sollten sie schon.

LB:
Wie lang gibt‘s das Franchisesystem jetzt eigentlich schon?

JP:
Heiner Kamps hat es 1982 gegründet. Dann war es erstmal ein Eigenregie Unternehmen. Wir haben dann ein Unternehmen gekauft, das so ein Pachtmodell auch angeboten hat, haben uns dann ein bisschen so ein Unternehmermodell eingekauft, haben dann auch wirklich gesehen, dass es eigentlich eine coole Sache ist. Die Leute draußen vor Ort, die auch in die eigene Tasche selber wirtschaften, haben die Möglichkeit, noch mehr Geld zu verdienen. Sie sind dann in der Regel auch motivierter und dann haben wir das Ganze ausgerollt, auch mit vielen Fehlern, die wir damals gemacht habe. Aber letztendlich gibt es das seit Ende der achtziger Jahre mit einer starken Weiterentwicklung in den letzten zehn Jahren.

LB:
Ich frage deshalb, wenn ein System so lange am Markt ist wie eures, da sind natürlich auch viele Franchisenehmer schon lange dabei. Mich würde interessieren, was ihr da macht, um die Zufriedenheit der Franchisenehmer hochzuhalten? Ich kann mir vorstellen, wenn man zehn Jahre eine Kamps Bäckerei hat und das ist ja bei allen Franchisesystemen, dass irgendwann mal die Begeisterung, die am Anfang da war, wenn man sich gerade frisch selbständig gemacht hat, irgendwann nachlässt. Was macht ihr, um die Zufriedenheit hochzuhalten, um die begeistert zu halten?

JP:
Das Schöne bei unserem System ist, man kann sich immer weiterentwickeln. Man kann weitere Standorte hinzunehmen, größere Standorte hinzunehmen, vom Soft- ins Investitionsfranchising wechseln. Das bietet schon eine Entwicklungsmöglichkeit. Wir haben verschiedene Trainings, wo man sich auch persönlich weiterentwickeln kann im Rahmen der Kamps-Akademie. Wir haben ein sehr intensives Betreuungskonzept, versuchen auch, unsere Franchisepartner immer wieder mit einzubinden, auch zu fragen, wie können wir unser System weiterentwickeln.

Ich glaube, das hilft auch. Und wir leben halt diese Familie auch. Wir machen so ein bisschen work hard, play hard. Wir wissen, unsere Franchisepartner arbeiten auch hart vor Ort und deren Mitarbeiter auch. Da muss man auch mal feiern. Wir haben verschiedene Veranstaltungen hier, wo wir die Franchisepartner einladen. Das hilft doch, dass die Leute auch gerne und auch gerne lange bei uns sind.

LB:
Jetzt über 4.000 Leute im Gesamtfranchising. Wie läuft denn da die Kommunikation ab, wie macht ihr so transparente Kommunikation, dass alle wirklich immer wissen, wohin der große Kahn Kamps steuert?

JP:
Gute Frage. Wir haben eine sehr enge Betreuung draußen vor Ort. Wir haben einen Außendienst, bestehend aus circa 30 Leuten. Jeder Außendienstmitarbeiter betreut 20 bis 25 Standorte, dazu kommen noch Trainer, die draußen on the Job arbeiten. Das heißt, viel ist wirklich persönliche Kommunikation. Wir haben dann natürlich auch ein Franchisehandbuch, wir haben Onlinekommunikation, wo wir unsere nächsten Aktionen, Sortimentsveränderungen, Preisveränderung etc. alles rund um das Geschäft auch vorstellen. Und wir haben zwei-, dreimal im Jahr Franchisenehmermeetings, wo wir entweder auf regionaler Ebene, aber auch teilweise auf nationaler Ebene, die Franchisepartner einladen und dann tatsächlich auf die Neuerung auch einschwören und versuchen zu begeistern für das, was da kommt.

LB:
Kamps steht für mich ja wirklich auch für Qualität, ist ja eine Qualitätsmarke, die ihr da aufgebaut habt oder Heiner Kamps. Großen Respekt davor, toll, so eine Qualitätsmarke aufzubauen. Die muss natürlich auch vor Ort von jedem Franchisenehmer in jedem Geschäft, in jedem Ladenlokal, gelebt werden. Wie macht ihr das, dass ihr die Qualität hochhalten könnt?

JP:
Ja, wie du sagst, Qualität ist natürlich das A und O. Das schreiben sich sicher viele in die Bücher, für uns, gerade weil wir die bekannteste Marke auch sind, haben wir natürlich eine besondere Verpflichtung. Das heißt, wenn irgendwas mal schiefläuft, sind wir natürlich auch die ersten, die damit konfrontiert werden. Für manch andere Bäckereimarke interessiert sich die Öffentlichkeit vielleicht nicht so sehr wie für unsere.

Darum haben wir ein sehr intensives Qualitätssicherungssystem hier mit eigenen Mitarbeitern, die regelmäßig draußen sind und Qualitätssicherungsmaßnahmen machen und mit Instituten wie Fresenius arbeiten wir zusammen. Wir haben Servicechecks, wo wir auch den Kundenservice vor Ort analysieren. Was können wir da besser machen und wir haben eine sehr enge Betreuung durch den Außendienst.

Und was ich schon gesagt habe, ein umfangreiches Schulungsprogramm, sowohl praktisch als auch theoretisch in unserer Akademie, sowohl on the Job als auch off the Job. Und wir haben ein Onlinehandbuch. Das alles zusammen genommen führt dann schon dazu, dass wir die Qualität, der wir uns verschreiben, auch aufrechterhalten.

Aber klar, das ist Franchise natürlich auch, das ist das, was ich auch den neuen Franchisepartnern immer wieder mitgebe. Letztendlich ist es nicht Herr Müller oder Herr Meier, der dann Mist macht vor Ort, sondern letztendlich ist es dann Marke Kamps, die durch so etwas auch beschädigt werden kann. Von daher müssen wir da alle sehr sensibel auch sein und die Qualität auch hochhalten.

LB:
Meine Erfahrung, ich bin oft Kunde bei euch oder bei einem Kampsgeschäft, kann ich nur sagen, mir macht das den Eindruck, als würde das sehr gut gelingen.

JP:
Vielen Dank!

LB:
Kamps gibt es seit über 30 Jahren, haben wir gerade erfahren. Was war denn so die größte Herausforderung als Franchisegeber, der ihr euch stellen musstet und was habt ihr daraus gelernt?

JP:
Ich habe es eben schon ein bisschen angesprochen. Wir haben natürlich auch eine sehr wechselhafte Unternehmensgeschichte hinter uns mit unterschiedlichen Eigentümern, unterschiedlichen Schwerpunkten, auch teilweise Restrukturierung, durch die wir gelaufen sind. Wir hatten ja durchaus auch mal noch mehr Filialen, haben uns dann aber auch von einigen Bereichen und einigen Regionen ganz bewusst getrennt. Dann wird es natürlich auch immer so ein bisschen wacklig und ich glaube, da dann auch wieder auf den Pfad zurückzukommen.

Wir sind jetzt froh, dass wir auch einen strategischen Investor haben mit Groupe Le Duff, die auch in die Zukunft der Marke investieren. Das heißt, diese Umstrukturierungsphasen, die wir hatten, waren sicher eine Herausforderung. Gut und Thema Mensch ist immer eine Herausforderung in den jetzigen Zeiten, nochmal doppelt, wirklich die richtigen Leute zu finden, die die Marke Kamps nach vorne bringen.

Wir merken schon, wenn du einen guten Franchisepartner mit einem guten Team draußen hast, dann kann der durchaus 10 bis 20 Prozent mehr Umsatz machen als ein mittelmäßiger. Diese guten Leute zu finden und für unser System zu begeistern, das ist in der heutigen Zeit nicht einfach und natürlich auch für die Franchisepartner selber ist es nicht einfach, gute Mitarbeiter zu finden, die dann, muss man sagen, unter einer tollen Marke arbeiten, mit tollen Produkten arbeiten. Aber klar gibt es auch Arbeitszeiten, die nicht immer nur angenehm sind. Es geht früh los, es ist auch teilweise harte Arbeit und da die richtigen Leute zu finden, ist das A und O.

LB:
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Jetzt hast du schon angesprochen, ihr habt jetzt einen strategischen Investor, der auch im Backbereich schon aktiv ist. Was ist denn jetzt konkret von euch in Zukunft, also von Kamps, zu erwarten, welche Pläne habt ihr?

JP:
Erstmal investieren wir viel in die Produktion in Schwalmtal. Wir wollen noch besser werden, wir wollen unsere Kapazitäten hier weiter ausbauen, wollen auch fit sein für neue Produkte, die wir hier produzieren können dann in Zukunft. Und wir sind Bäcker, das ist auch gut so und darauf sind wir auch stolz und das werden wir auch bleiben.

Aber Bäcker alleine reicht nicht, unser Credo ist, wir sind Bäcker und mehr. Das heißt, wir müssen uns und werden uns auch gastronomisch weiterentwickeln. Und das ist nicht nur das belegte Brötchen, um das es geht, sondern sicher auch ergänzende gastronomische Sortimente, wo wir schon ein bisschen was tun, aber sicher auch noch besser werden müssen. Denn wir haben alle so ein bisschen die Bäcker-DNA und können gut Brot und Brötchen und Feinback, aber wir müssen noch besser gastronomisch werden und dazu gehört dann der ganze Beverage-Bereich auch, Kaffee, Getränkekompetenz.

Da müssen wir uns weiterentwickeln und da haben wir ein bisschen Geld in die Hand genommen, sowohl was Investitionen in diese Bereiche angeht, was aber auch neue Leute angeht, die in dem Bereich angefangen haben, um nicht nur eine tolle Bäckermarke, sondern auch eine immer toller werdende Foodservicemarke zu werden. Denn letztlich, das weißt du so gut wie ich, das Thema Snack, On-The-Go, die schnelle Mahlzeit zwischendurch, die spielt natürlich eine immer größere Rolle. Die Leute, die morgens sich dann ihr Leberwurstbrot schmieren, werden schon immer weniger. Und da müssen wir uns mitentwickeln, weiterentwickeln. Da sind wir auf einem guten Weg.

LB:
Kann ich dir denn irgendwelche Zahlen auch entlocken, was ihr so an Dichte vorhabt, wie viel Standorte ihr in Deutschland haben wollt oder ob ihr euch vielleicht international noch irgendwie ausbreiten wollt?

JP:
Wir haben jetzt so ein bisschen internationale Aktivitäten im Mittleren Osten und auch hier über die Grenze hinweg nach Holland. International ist spannend, weil das Thema deutsche Bäckertradition, Kultur verbunden mit einer starken Marke und einem guten Konzept, wie wir es anbieten, ist eine gute Sache. Aber wir sind natürlich schon auch ein mittelständisches Unternehmen. Das heißt, wir müssen aufpassen, dass wir uns da nicht verzetteln. Und wir glauben schon, dass es in Deutschland noch einige Themen gibt, die wir angehen wollen. Darum, international ist der zweite Schritt.

Der erste Schritt ist schon, auch vor allem außerhalb von Nordrhein-Westfalen weiter zu wachsen. In Nordrhein-Westfalen mit unseren 360 Standorten wird es nicht mehr viele Möglichkeiten geben. Da geht es um qualitatives Wachstum, das heißt, wir werden schon auch noch einige Standorte, die nicht profitabel genug sind, die auch zu klein sind, um auch die Marke Kamps weiter nach vorne zu bringen, werden wir schon auch schließen. Ein paar andere in Nordrhein-Westfalen neu neu eröffnen, aber wir werden vor allem auch in den Ballungsgebieten außerhalb von Nordrhein-Westfalen wachsen, aber eben auch vorsichtig.

Für uns ist Wachstum nicht alles, das haben wir auch gemerkt. Das war so ein bisschen die Strategie von Heiner Kamps, die zu der Zeit sicher auch richtig war. Wir wollen vor allem profitables Wachstum. Mal lieber einen Standort weniger machen und den dann auch profitabel betreiben können, sowohl für den Franchisepartner als auch für uns. Wir sehen mittelfristig statt der 450 Standorte, die wir jetzt haben, 500 Standorte, was aber nicht bedeutet, dass wir nur 50 Standort innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre eröffnen, sondern wir werden eben auch einige schließen. Das werden die 50 Standorte sein.

LB:
Also auch umstrukturieren. Ja, gerade wenn ihr aber so viel Soft-Franchise habt, zehrt es auch an eurem Kapital, dann müsst ihr ja immer investieren. Und einen Teil der Franchiseidee, dass auch mit anderleuts Kapital gearbeitet wird für die Expansion, geht bei euch dann ja nicht. Denn Soft-Franchise heißt ja, ihr müsst investieren?

JP:
Stimmt, darum sind sicher Wachstumsmöglichkeiten im reinen Soft-Franchise auch begrenzt, weil natürlich auch unser Kapital und das Kapital unserer Mutter aus Frankreich begrenzt ist. Darum wird es auch in Zukunft eine Mischung sein zwischen Investitionen und Soft, vielleicht stärker auch in Richtung Investitionsentscheidung, wie ich gesagt habe. Wir haben auch viele große Firmen, Portfoliobetreiber, die Kamps im Portfolio haben und die werden weiterwachsen und mit denen wollen auch wir weiterwachsen.

LB:
Super, Jochen, erstmal vielen Dank bis hierhin, hast einen guten Einblick gegeben in das Kamp-System. Mir kommen jetzt natürlich noch 1.000 Fragen, wie ihr das international angehen wollt und so weiter. Aber wir machen jetzt hier, das war schon super interessant, Schluss und kommen jetzt mal zu den Schlussfragen. Bist du da bereit?

JP:
Logisch, ich bin bereit.

LB:
Welches Buch hat dich als Mensch und Unternehmer am meisten geprägt?

JP:
Erstmal, ich lese schon noch und auch tatsächlich Bücher, auch physische Bücher. Wir haben auch bei uns im Wohnzimmer immer noch ein Bücherregal stehen. Das finden unsere Kinder ein bisschen albern, aber ich finde Bücher nach wie vor schön. Ich habe nicht, auch wenn du es vielleicht jetzt erwartest oder komisch findest, das Lieblingsbuch, was mich jetzt so besonders beeinflusst hat. Ich lese Murakami gerne, ich lese Suter gerne und gerade mit dem Thema Unternehmer fand ich jetzt gerade Business Class(*) von Martin Suter sehr lustig. Das sind nette Geschichten aus dem Alltag eines Geschäftsmannes, eines Managers, wo man immer mal wieder grinsen muss, sich auch immer wieder mal selber erkennt und auch lernt, sich selber nicht so wichtig zu nehmen.

LB:
Hast du auch „Die dunkle Seite des Mondes„(*) gelesen von Suter?

JP:
Ja, habe ich auch gelesen.

LB:
Ja, das ist grandios.

JP:
Ich lese wirklich mehr Romane als Sachbücher. Ich lese schon mal Biografien auch, aber wirklich mehr Romane.

LB:
Welche Biografie ist dir da hängen geblieben. Ich muss immer Ideen kriegen, welche ich als nächstes lese. Deshalb bin ich so hartnäckig.

JP:
Ich habe jetzt die Biografie von Andrew Agassi(*) gelesen.

LB:
Und? Empfehlenswert?

JP:
Ja, ist aber auch leichte Literatur. Ich weiß nicht, was man da fürs Leben lernt, aber wenn man so ein bisschen auch die …, ich habe früher selber intensiv Tennis gespielt und von daher war natürlich Andrew Agassi schon auch immer präsent und auch immer irgendwie was seine Kämpfernatur angeht schon immer ein Vorbild. Von daher fand ich das einfach sehr nett zu lesen.

LB:
Ist er noch mit Steffi Graf zusammen oder nicht mehr?

JP:
Ich glaube ja, oder?

LB:
Ich habe die Biografie nicht gelesen.

JP:
Doch, in der Biografie stand nichts anderes und in der Gala habe ich bisher auch noch nichts anderes gelesen. Von daher glaube ich, die sind noch zusammen.

LB:
Letzte Frage, Jochen, bevor wir uns verabschieden. Was würdest du deinem 25jährigen Ich mit all deiner heutigen Erfahrung raten?

JP:
Das Wichtigste ist Begeisterung im Leben, sich für etwas begeistern, dann auch gegen Widerstände seinen Weg weitergehen, positiv sein und nicht immer Glas halb leer, sondern halb voll, auch Dinge riskieren. Ich glaube, das ist es, was den Erfolg des Menschen ausmacht.

LB:
Jochen, dann sage ich ganz herzlichen Dank, hat viel Spaß gemacht, danke dafür.

JP:
Danke dir, Lars!

LB:
Und ich wünsche dir, lieber Jochen, und euch natürlich auch wieder mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge.

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